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Handelsgärtner und Altmeister der deutschen Dahlienzucht Christoph
Michael Daniel Deegen - so
geschrieben im Köstritzer Trauregister -
wurde am 28. Januar 1798 in Kahla, Herzogtum Sachsen-Altenburg, geboren.
Bei seinem Vater erlernte er das Posamentierhandwerk, übte dieses aber
nicht aus. Nach seiner Lehre Schon
seit frühester Kindheit interessierte er sich für die wild wachsenden
Blumen in der Umgebung seiner Heimatstadt und für jene, die in den neu
eingerichteten „Kunst-Gärten“, den Botanischen Gärten in Erfurt,
Weimar, Jena und Leipzig, zu sehen waren. Anlässlich
eines wiederholten Besuches in den großherzoglichen Gartenanlagen in
Belvedere 1816
erwarb Deegen vom Gärtner Breitner aus Leipzig die erste gefüllte
Dahlie -„Formosa“ genannt und 1822 kaufte er beim Handelsgärtner
Weber in Jena die ersten weißen und gelben einfach blühenden Dahlien.
In ihm reifte schließlich immer mehr der Gedanke, sich voll und ganz
der Gärtnerei, der Blumenzüchtung zu widmen. Autodidaktisch eignete er
sich hierfür nach und nach das erforderliche Wissen an. Den Wunsch,
eine eigene Gärtnerei zu eröffnen und damit seinen Lebensunterhalt zu
verdienen, konnte er sich erst nach seiner Heirat - und durch einen größeren
Lotteriegewinn begünstigt - erfüllen. Als
ihm bekannt wurde, dass ein Fürstliches Palais in Köstritz (Fürstentum
Reuß j.L.) mit einem großen 20.000 m² parkähnlichen Garten zum
Verkauf anstand, fasste er den Entschluss, diese Immobile zu erwerben
und zog 1824 mit seiner Verlobten Johanne Beyer, der Tochter des Kahlaer
Ratsherrn und Floßmeisters Beyer nach Köstritz. 1826, nachdem er das Bürgerrecht
von Köstritz erhalten hatte, konnte er am 15. September seine eigene
„Handels-Gärtnerei mit Georginen“ eröffnen, sie war in dieser Art
die erste in Deutschland. Gleichzeitig erschien auch sein erster
gedruckter „Katalog mit Georginen“. Schwere Schicksalsschläge trafen ihn, als 1828 seine Frau nach einer Totgeburt im Kindbett verstarb und ein Jahr später ein Großfeuer in Köstritz auch das Wirtschaftsgebäude seines Anwesens vernichtete. Doch ein unbeugsamer Wille ließ ihn sein Werk fortsetzen. 1833
heiratete Ch. Deegen ein zweites Mal. Aus dieser Ehe gingen insgesamt 13
Kinder hervor - von denen überlebten drei Söhne als erfolgreiche
Gärtner den berühmten Vater. Als
1836 an der Universität in Jena die Tagung der „Gesellschaft
deutscher Naturwissenschaftler und Ärzte“ stattfand, ging Christian
Deegen mit seinen Dahlien in eine gezielte Werbeoffensive und präsentierte
den Tagungsteilnehmern ca. 400 Sorten dieser schönen Herbstblumen.
Dieses Vorhaben ebnete den Weg für die deutschlandweite Verbreitung der
Dahlie und schuf die Voraussetzung für die späteren internationalen
Verbindungen. Der
anwesende Alexander von Humboldt, der 1804 von seinen Forschungsreisen
nach Süd- „1.
Deutsche Dahlienschau“ gewertet werden. Nach
dem großen Erfolg in Jena präsentierte Deegen seine
„Mexikanerinnen“ auch auf den Leipziger Herbstmessen. Am Ende der
30iger Jahre fanden die Dahlien besonders in England eine begeisternde
Aufnahme und wurden vorübergehend zur bevorzugten „Mode-Blume“.
Christian Deegen und sein Köstritzer Gärtnerkollege Johann Sieckmann
(seit 1836 mit einer eigenen Handelsgärtnerei in Köstritz tätig)
mussten sich der harten Konkurrenz aus England und Frankreich stellen
und wurden dabei zeitweilig die führenden Dahlienzüchter Europas. Um
den enorm gestiegenen Versand ihrer gärtnerischen Erzeugnisse von Köstritz
aus zu bewältigen, brauchten diese Handelsgärtner eine Poststation am
Ort. Deegen übernahm mit 400 Talern eine Bürgschaft bei der Post, so
dass 1840 in Köstritz die erste Poststation der Gesellschaft Thurn und
Taxis außerhalb Geras eröffnet wurde. Christian
Deegen ermunterte seine Söhne und andere Züchter mit den Dahlien zu
arbeiten und formulierte auch die Ziele seiner Züchtung, wie - „reichhaltigeren
Flor, weniger Laubwerk am Busch, nicht all zu hohe Stauden oder ein
zeitiges Erblühen …“ Er selbst träumte noch vom Züchtungserfolg
einer „rein blauen“ Spezies und auch einer Dahlie mit angenehmer
Duftnote. Beides - wie wir wissen - blieb bis heute noch unerfüllt. Leider
hat Christian Deegen über
seine Erkenntnisse, Erfahrungen und Erfolge niemals publiziert. Das
Wissen reichte er nur im engsten Familienkreis weiter. Deegen war kein
streng kaufmännisch rechnender Handelsgärtner und so gab er von seinen
vielen hervorragenden Züchtungen - trotz oftmals hoher Angebote - kaum
welche ab. Doch noch heute gilt die 1881 von ihm gezüchtete bildschöne
rot-gelbe Balldahlie „Kaiser Wilhelm I.“ als die älteste deutsche
Dahlie, die nach wie vor mit regem Kundeninteresse gehandelt wird. Am Ende seines arbeitsintensiven und erfolgreichen Schaffens verkaufte er wieder das Palais und den Garten, denn seine Söhne hatten ihre eigenen Gartenbetriebe. Das Gebäude wurde ab 1886 durch Dr. Hans Settegast - aus dem benachbarten Bad Ronneburg nach Köstritz übergesiedelt - zur „Ackerbauschule“ (später auch „Landwirtschaftliche und Gärtnerische Lehr-Anstalt“). Der große Barockbau bot genügend Räume für die Lehrveranstaltungen und der Garten zudem günstige Voraussetzungen für die praktische Ausbildung der Studenten. Chistian
Deegen starb hoch geehrt am 1. Dezember 1888 in Köstritz. Er wurde noch
auf dem Alten Friedhof an der Kirche beigesetzt. Leider ist sein Grab
heute nicht mehr vorhanden. Seit
1997 verleiht Bad Köstritz in Konsultation mit der Deutschen Dahlien,
Fuchsien- und Gladiolen-Gesellschaft (DDFGG) an Dahlienzüchter und
Institutionen, die sich um Züchtung, Vermehrung und Erhalt vorwiegend
alter und seltener Sorten verdient gemacht haben, die
“Christian-Deegen-Gedenkmedaille” der Dahlienstadt Bad Köstritz. |
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